Sind Chatbots die Zukunft des Lernens?

Der Chatbot als Nachhilfelehrer

In der Bildung und Weiterbildung kommen Chatbots bereits zum Einsatz, beispielsweise in den klassischen Trainings- und Lernanwendungen wie Vokabel- und Sprachlern-Apps. Das Prinzip ist denkbar einfach: Der Bot stellt Fragen, der User antwortet, der Bot bewertet die Antwort. Doch Chatbots können noch mehr als das: Wie ein digitaler Tutor sind sie in der Lage, auf den User individuell zu reagieren und dialogische Lernprozesse anzustoßen. Solche Lernbots nehmen die Lernenden gewissermaßen bei der Hand, indem sie einerseits konkretes Fachwissen bereitstellen, andererseits dieses Wissen aber auch in Dialogform aufbereiten und diesen Dialog gezielt auf ein Lernziel hinsteuern. Sogenannte Conversational Learning Bots stellen regelmäßig Rückfragen, bereiten die Inhalte didaktisch auf, holen den Benutzer bei seinem Wissensbedarf ab und gehen auf ihn ein. Sie übernehmen aber auch aktiv die Führung bei der Erkundung des zu Lernenden, ohne den Lernenden zu sehr zu bevormunden.  Damit simuliert Conversational-Learning die wohl elementarste Form des Lernens: Den Dialog mit einem wissenden und kompetenten Gegenüber.

 

Immer an der Seite des Lerners

Der große Vorteil von Chatbots liegt auch in ihrer Unmittelbarkeit: Sie stehen rund um die Uhr zur Verfügung und begleiten die Anwender:innen didaktisch in ihren individuellen Lernprozessen. Die Bots regen mit kleinen Ausblicken, Denkanstößen oder Reflexionsfragen dazu an, sich tiefer mit dem Gelernten zu befassen. Und: Je nach Konzeption des Lernbots behalten die User die volle Autonomie darüber, in welchem Umfang und in welchem Tempo der Stoff behandelt werden soll und bleiben auf diese Weise motiviert.

 

Permanente Aktivierung des Users

 Für alle Conversational Learning Bots gilt: Den Lernenden kommt stets eine aktive Rolle im Dialog mit dem Chatbot zu, weil sie permanent gefordert werden, Entscheidungen für den weiteren Gesprächsverlauf zu treffen. Auf diese Art wirken Conversational Learning Bots ganz gezielt der „Berieselung“ entgegen, die in herkömmlichen Lernapps oft entsteht. Lernpsychologisch gesehen wird somit auch der Passivität des Lernenden entgegengewirkt: Wer sich berieseln lässt, nimmt den Lernstoff viel oberflächlicher und unvollständiger auf als jemand, der sich aktiv damit auseinandersetzt. Und dies stellt eine ständige Herausforderung im E-Learning dar: Wie lässt sich der Schritt von der „Informationsbetankung“ zur echten Auseinandersetzung erzielen? Der Vorteil von Chatbots ist hier nämlich: Wenn der User nicht antwortet, geht es nicht mehr weiter. Das bedeutet, er oder sie muss zumindest ein bisschen aktiv sein, aber das die ganze Zeit – und das kann ein entscheidender Unterschied sein. Gesteigert werden kann dieser Vorteil durch eine kluge Dialogführung – seien es Strategien wie Rückfragen (die die Beschäftigung mit dem Gelernten vertiefen) oder spielerische Ansätze wie Interactive-Fiction-Abenteuer. Eine andere tolle Möglichkeit zur Interaktion bieten Lernspiele mit dem Bot, Quizzes oder interaktive Geschichten, bei denen der User selbst den Handlungsverlauf steuert und dabei auf spielerische Art und Weise lernt. Auch Rollenspiele wie z.B. Präsentations- oder Verhandlungstrainings, in denen der User zusammen mit dem Bot das richtige Vorgehen erarbeitet und den Lerner zum Beispiel für das anstehende Gespräch im Job coacht, bieten eine hohe Interaktion für den Lerner.

 

Auf den Dialog kommt es an

Künstliche Intelligenz bildet für alle Lernbots die Grundlage für eine intuitive und spielerische Form des Lernens, bei der nicht nur Wissen vermittelt und abgefragt wird, sondern der:die Lernende explorativ immer tiefer in die Materie einsteigt und, je nach Interesse und Vorkenntnissen, individuell beim Lernprozess begleitet wird. Abhängig vom Use Case und von der Zielgruppe sollte ein Chatbot so konzipiert sein, dass er das Gespräch (mit)steuert. Es reicht nicht, wenn der Bot Antworten auf möglichst viele Fragen weiß, er muss im Gespräch die Führung übernehmen und mit dem User gezielt interagieren. Dazu braucht es eine gut durchdachte kommunikative und didaktische Strategie und ein ausgefeiltes Dialogkonzept.
Für die Erstellung eines Conversational Learning Bots sind also im Vorfeld die Lernziele und der individuelle Nutzen für die Zielgruppe zu klären. Auch die Persönlichkeit des Lernbots, die sogenannte Bot-Persona, ist nicht ganz unwesentlich. Viele Bots werden von ihren Entwicklern und Autor:innen so gestaltet, dass sie im Dialog mit dem Nutzer möglichst “menschlich” und nahbar wirken und zugleich unverwechselbar sind. Eine große Kunst ist es, gute Dialoge zu entwickeln, mit sachlich korrekten Inhalten und einer Gesprächsführung, die den menschlichen Dialogpartner involviert. Inhalte, Didaktik, Ästhetik und Dialog – all das muss ein stimmiges Ganzes ergeben, damit der Chatbot wirklich beim Lernen helfen kann.

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